Die Kennzeichnungen auf einem Motorradreifen geben Auskunft über Reifengröße, Tragfähigkeit, Höchstgeschwindigkeit, Bauart und Herstellungsdatum. Jede Zahl und jeder Buchstabe auf der Reifenflanke trägt eine konkrete Bedeutung, die für die Sicherheit und die Straßenzulassung des Motorrads entscheidend ist. Die folgenden Abschnitte erklären die wichtigsten Codes und Symbole der Motorradreifen Kennzeichnung Schritt für Schritt.
Welche Zahlen und Buchstaben stehen auf einem Motorradreifen?
Auf der Seitenwand eines Motorradreifens findet sich eine Kombination aus Zahlen und Buchstaben, die Reifenbreite, Querschnittsverhältnis, Bauart und Felgendurchmesser beschreibt. Ein typisches Beispiel für eine solche Reifenbezeichnung Motorrad lautet: 120/70 ZR 17. Diese Angabe ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Informationen auf der Flanke.
Die einzelnen Bestandteile dieser Grundbezeichnung bedeuten:
- 120 steht für die Reifenbreite in Millimetern, gemessen von Flanke zu Flanke.
- 70 ist das Verhältnis der Flankenhöhe zur Reifenbreite in Prozent, auch Querschnittsverhältnis oder Aspektverhältnis genannt.
- Z gibt die Geschwindigkeitskategorie an und taucht bei Hochleistungsreifen direkt in der Größenbezeichnung auf.
- R steht für Radialreifen; ein B würde für Bias-Belted-Reifen stehen, kein Buchstabe für Diagonalreifen.
- 17 bezeichnet den Felgendurchmesser in Zoll.
Wer lernt, Motorradreifen zu lesen, erkennt sofort, ob ein Reifen für das eigene Fahrzeug geeignet ist, bevor er überhaupt einen Kauf tätigt. Hinter dieser Grundbezeichnung folgen auf der Flanke weitere Angaben zu Last und Geschwindigkeit.
Was sagt der Lastindex auf Motorradreifen aus?
Der Lastindex, auch Tragfähigkeitskennzahl oder Load Index genannt, gibt die maximale Traglast an, die ein Reifen bei korrektem Luftdruck tragen darf. Er wird als zwei- oder dreistellige Zahl direkt nach der Größenbezeichnung angegeben. Ein Lastindex von 58 entspricht beispielsweise einer maximalen Traglast von 236 kg.
Für Motorräder ist der Lastindex besonders relevant, weil Vorder- und Hinterreifen unterschiedliche Lasten tragen. Der Hinterreifen ist in der Regel mit einem höheren Lastindex ausgestattet, da er das Motorgewicht, das Fahrergewicht und das Gepäck aufnimmt. Wird ein Reifen mit einem zu niedrigen Lastindex montiert, kann dies zur Überlastung führen und ist in Deutschland nicht straßenzulassungskonform.
Beim Kauf eines Ersatzreifens sollte der Lastindex mindestens dem Wert entsprechen, der in den Fahrzeugpapieren eingetragen ist. Ein höherer Wert ist grundsätzlich zulässig und in manchen Fällen sogar sinnvoll, etwa bei regelmäßiger Mitnahme von Sozius und Gepäck.
Was bedeutet der Geschwindigkeitsindex bei Motorradreifen?
Der Geschwindigkeitsindex ist ein Buchstabe, der die maximale Dauergeschwindigkeit angibt, für die der Reifen ausgelegt ist. Er steht direkt hinter dem Lastindex, zum Beispiel 58 H. Der Buchstabe H steht dabei für maximal 210 km/h, V für 240 km/h und W für 270 km/h.
Für Motorradreifen sind folgende Geschwindigkeitsindizes besonders gebräuchlich:
- H: bis 210 km/h, typisch für mittlere Tourer und Naked Bikes
- V: bis 240 km/h, weit verbreitet bei Sporttouren-Motorrädern
- W: bis 270 km/h, für leistungsstarke Supersportler
- Z / ZR: über 240 km/h, Hochleistungsbereich
Wichtig zu wissen: Der montierte Reifen muss mindestens den Geschwindigkeitsindex aufweisen, der für das jeweilige Motorrad vorgeschrieben ist. Ein niedrigerer Index ist nicht zulässig und kann im Schadensfall versicherungsrechtliche Folgen haben. Die vollständige Reifenbeschriftung Motorrad enthält also nicht nur technische, sondern auch rechtlich relevante Informationen.
Was verrät das DOT-Datum über das Alter eines Motorradreifens?
Das DOT-Datum gibt das genaue Herstellungsdatum eines Reifens an und besteht aus einer vierstelligen Zahl am Ende des DOT-Codes auf der Reifenflanke. Die ersten beiden Ziffern stehen für die Kalenderwoche, die letzten beiden für das Herstellungsjahr. 0324 bedeutet also: hergestellt in der dritten Woche des Jahres 2024.
Das Alter eines Reifens spielt für die Sicherheit eine entscheidende Rolle, auch wenn der Reifen optisch noch gut aussieht. Gummi altert durch UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und Ozon, selbst wenn der Reifen kaum gefahren wurde. Fachleute empfehlen, Motorradreifen nach spätestens fünf bis sechs Jahren zu ersetzen, unabhängig vom Profilzustand.
Beim Kauf von Neu- oder Lagerreifen lohnt es sich deshalb, das DOT-Datum zu prüfen. Ein Reifen mit einem Herstellungsdatum von vor vier oder mehr Jahren sollte kritisch bewertet werden, selbst wenn er noch unbenutzt ist. Das Motorradreifen lesen des DOT-Codes ist damit ein einfacher, aber wichtiger Sicherheitscheck vor jedem Reifenkauf.
Welche zusätzlichen Symbole auf Motorradreifen sind sicherheitsrelevant?
Neben den Hauptcodes gibt es weitere Symbole und Aufschriften auf der Reifenflanke, die sicherheitsrelevante Informationen liefern. Dazu gehören Angaben zur Drehrichtung, zur Einbauposition sowie Zulassungskennzeichen wie das ECE-Prüfzeichen.
Drehrichtungspfeil und Einbauposition
Viele moderne Motorradreifen sind asymmetrisch profiliert und haben eine vorgeschriebene Laufrichtung. Ein Pfeil auf der Flanke zeigt an, in welche Richtung der Reifen rollen muss. Wird dieser Pfeil beim Einbau ignoriert, verliert der Reifen einen Großteil seiner Entwässerungsleistung und damit Haftung bei Nässe. Zusätzlich kennzeichnen Aufschriften wie Front oder Rear, ob ein Reifen ausschließlich für Vorder- oder Hinterachse ausgelegt ist.
ECE-Zulassung und M+S-Kennzeichnung
Das ECE-Prüfzeichen, erkennbar an einem Kreis mit dem Buchstaben E und einer Ländernummer, bestätigt, dass der Reifen die europäischen Zulassungsanforderungen erfüllt. Ohne dieses Zeichen ist ein Reifen in Deutschland nicht für den Straßenverkehr zugelassen. Das M+S-Symbol (Mud and Snow) kennzeichnet Reifen mit erhöhter Eignung für matschige und verschneite Fahrbahnen, ist jedoch kein offizielles Winterreifensymbol. Das offizielle Kennzeichen für zugelassene Winterreifen ist das Alpine-Symbol, auch als Schneeflocke-Bergpiktogramm bekannt.
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